Quadratur

Denn das ist dein Geschenk:
Du gibst den Dingen Form und Festigkeit
und bleibst, wenn alle fliegen

zwingt die Quadrate
Ein Kreis darin hat dennoch
Sehnsucht nach geraden Winkeln

Sprechen über Heimat

Sprechen über Heimat (vielleicht kein Gedicht)

Das Wort „Heimat“ ist seit dem 15. Jhd. nachweisbar. Die etymologische Herkunft ist die indoeuropäische Wurzel „kei“, der Ort, an dem man sich niederlässt.
Bis ins 19. Jhd. war „Heimat“ ein juristischer Begriff mit geographischer Orientierung. Im Zuge der Industrialisierung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Umwälzungen erfolgte im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jhd. ein fundamentaler Bedeutungswandel. Der Heimatbegriff wurde im bürgerlichen Zeitgeist zu einem idealisierten Bild von Bindung und Innigkeit.

 

(Zyklus Heimat, 3/7)

Ohne Bedeutung

Der Stärkste, schrieb Schiller,
der der Heimat Geflüchtete,
ist am stärksten allein.

Bis ins Grab. Blieb eigen
Ohne Bedeutung die Erde
die man auf ihn warf.
Sollt ihr doch suchen!

 

(Zyklus Heimat, 7/7)

Nach Süden

Das Gras hat ein Gesicht
und träumt mit offenen Augen

da sind
Gleise wie brüchiger Zwirn im Schnee
Schwellen und Schienen tasten den Bahnhof
hinab, ins Fremde, blausüd
.
Klamme Finger schenken
dem Traum eine Heimat

 

(Vom November 1983, für den Zyklus Heimat, 2/7 Februar 2018 überarbeitet)

Heimat sagt einer

Heimat Wort, wie Weihnachten
sensitiver Ballast
Heimatlos bin ich die Heimat los

Zwischenweltbürger
Zuhausschneckenhausschnecke
Omnia mea und Home und Castle

Sehnsucht ja
Fluchtursachenbekämpfung passee

 

(Zyklus Heimat, 1/7)

Im Sonnenwind

Ich wünsche mir, im heißen Sonnenwind
beschirmt von den Ringen des Saturn
einen Platz zwischen den Sternen

ein Fest, mit Kometenfackeln und Meteorlaternen
im Kreis der Monde und Planeten
und ihren sanften Tönen

Damenwahl! Du nimmst meine Hand
wir tanzen im Nordlicht um die Welt
bis ans Ende der Zeit