DAS ALIEN TANZT POLKA

Neue SF und Fantastik aus einem heiteren Universum

Weltuntergangsszenarien gibt es in der Science-Fiction zuhauf, Prognosen für eine düstere Zukunft liefert schon die Gegenwart. Fantastische Literatur behandelt eher ernste Themen, Horror ist per se grausam.

»Das Alien tanzt Polka« präsentiert das Gegenteil und setzt damit die Reihe der tanzenden Aliens – konkret und übertragen – fort. Die Geschichten der Anthologie sind lustig, heiter bis komisch, skurril, obskur oder absurd. 

Meine Short-Story „Eine Geschichte mit Zeit“ ist eine Variante des sogenannten „Großvaterproblems“ und streift mit einer Referenz an Steven Hawking Theorien von Parallelwelten und Multiversen.

„…
Kurz bevor Kurt wieder zu seiner Geschichte zurückkehren

wollte, drängte sich eine andere Schlagzeile über den Rand seiner Brille in sein Bewusstsein: „Hawkings letzte Arbeit beweist Multiversen!“.
Sapperlot, nun also doch. Eigentlich war für Kurt die Existenz von
Paralleluniversen schon längst zur Gewissheit geworden,
denn irgendwohin müssen ja die Socken aus der Waschmaschine
verschwinden. Aber von Hawking bewiesen, das ist dann doch
noch einmal eine andere Hausnummer.
…“

Die Anthologie kann im Buchhandel oder über den Versandhandel bezogen werden:

Kosmisches Geschehen

Der Schrei eines berstenden Sterns

fährt unter Haut und Haar, in Mark und Bein
treibt Splitter ins Fleisch
die Nova unters Schädeldach

Kosmisches Geschehen tragen
macht unruhig

 

(1979, neu bearbeitet 2018)

Zeit ist…

(… was die Uhr zeigt! Albert Einstein)

Was sollen die Uhren mir schon sagen, kaputt wie die sind?
Schabst Augenblicke aus den Blöcken Zeit
die Stunden, die Tage
Lebst sie auseinander, wie es sich gehört
.
Da stell ich mir die Zeiger selber vor und nach

 

Zeit ist, was die Uhr misst
Zeit ist, was die Uhr misst

Der Weg von und nach Assisi

gerade jetzt
oder nur da, wo
oder sogar weil alles auseinander fällt:

Ein schräges Grün, Halm für Halm,
so schräg wie der Weg von und nach Assisi sind
– auch wenn es nicht so aussieht –
Parallelen, die kreuzen sich im Unendlichen
just und genau hier

 

Feldgehölz, Aquarell 2014

Quadratur

Denn das ist dein Geschenk:
Du gibst den Dingen Form und Festigkeit
und bleibst, wenn alle fliegen

zwingt die Quadrate
Ein Kreis darin hat dennoch
Sehnsucht nach geraden Winkeln

Sprechen über Heimat

Sprechen über Heimat (vielleicht kein Gedicht)

Das Wort „Heimat“ ist seit dem 15. Jhd. nachweisbar. Die etymologische Herkunft ist die indoeuropäische Wurzel „kei“, der Ort, an dem man sich niederlässt.
Bis ins 19. Jhd. war „Heimat“ ein juristischer Begriff mit geographischer Orientierung. Im Zuge der Industrialisierung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Umwälzungen erfolgte im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jhd. ein fundamentaler Bedeutungswandel. Der Heimatbegriff wurde im bürgerlichen Zeitgeist zu einem idealisierten Bild von Bindung und Innigkeit.

 

(Zyklus Heimat, 3/7)