Am Fluss

Hast du geträumt, Mutter, am Fluss
Nagellack, rot, in Mädesüß und Nelkenwurz.
Was hast du gesehen, zuletzt?

Hielt Heraklit dir die Hand
den Blutweiderich beiseite haltend auf deinem einen Weg
vom Schmerz
Oder war Nietzsche da, tragisch plaudernd
ein Ecce homo rufend und Fangen spielen mit Zarathustra?

Ich nicht, ich habe dich gesucht.
Was hast du gesehen, Mutter, zuletzt

Am Fluss?

Ampelmädchen mon amour

Ampelmädchen, mon amour
Liebe zwischen den Farben
wir warten auf Grün
wir hoffen auf Rot
Lupenzeit, auf immer und wieder
bis unsere Hände sich finden
– die Lichtjahre nur und Millimeter noch
.
Die Straße springt und schreit: Alle müssen gehen!
Ein Schritt vor mir, adieu chérie …
Ich warte!
Du weißt!

Interferenzen

Du verlässt mich, sagst du, demnächst,
in Kreisen als den geometrischen Ort aller
Not in dem eine gegebene Liebe
unter einem unversehrten Winkel erscheint

     bizarre Logik der Formel Gluckstein

Die Möwen auch und die flachen Kiesel, wir
sind nur unbedacht und werfen glitzernde Interferenzen
von einem Augenblick zum anderen


Utopia

Engines on, die Schwerkraft überwinden
Mit Armstrong einen ersten Fuß
In die Tür der neuen Welt
Schritt für Schritt

Eigenartig werden, die fremde Gestalt
Annehmen, den Sehnsuchtsort
Im Selbst

DAS ALIEN TANZT POLKA

Neue SF und Fantastik aus einem heiteren Universum

Weltuntergangsszenarien gibt es in der Science-Fiction zuhauf, Prognosen für eine düstere Zukunft liefert schon die Gegenwart. Fantastische Literatur behandelt eher ernste Themen, Horror ist per se grausam.

»Das Alien tanzt Polka« präsentiert das Gegenteil und setzt damit die Reihe der tanzenden Aliens – konkret und übertragen – fort. Die Geschichten der Anthologie sind lustig, heiter bis komisch, skurril, obskur oder absurd. 

Meine Short-Story „Eine Geschichte mit Zeit“ ist eine Variante des sogenannten „Großvaterproblems“ und streift mit einer Referenz an Steven Hawking Theorien von Parallelwelten und Multiversen.

„…
Kurz bevor Kurt wieder zu seiner Geschichte zurückkehren

wollte, drängte sich eine andere Schlagzeile über den Rand seiner Brille in sein Bewusstsein: „Hawkings letzte Arbeit beweist Multiversen!“.
Sapperlot, nun also doch. Eigentlich war für Kurt die Existenz von
Paralleluniversen schon längst zur Gewissheit geworden,
denn irgendwohin müssen ja die Socken aus der Waschmaschine
verschwinden. Aber von Hawking bewiesen, das ist dann doch
noch einmal eine andere Hausnummer.
…“

Die Anthologie kann im Buchhandel oder über den Versandhandel bezogen werden:

Kosmisches Geschehen

Der Schrei eines berstenden Sterns

fährt unter Haut und Haar, in Mark und Bein
treibt Splitter ins Fleisch
die Nova unters Schädeldach

Kosmisches Geschehen tragen
macht unruhig

 

(1979, neu bearbeitet 2018)