Zeit ist…

(… was die Uhr zeigt! Albert Einstein)

Was sollen die Uhren mir schon sagen, kaputt wie die sind?
Schabst Augenblicke aus den Blöcken Zeit
die Stunden, die Tage
Lebst sie auseinander, wie es sich gehört
.
Da stell ich mir die Zeiger selber vor und nach

 

Zeit ist, was die Uhr misst
Zeit ist, was die Uhr misst

Der Weg von und nach Assisi

gerade jetzt
oder nur da, wo
oder sogar weil alles auseinander fällt:

Ein schräges Grün, Halm für Halm,
so schräg wie der Weg von und nach Assisi sind
– auch wenn es nicht so aussieht –
Parallelen, die kreuzen sich im Unendlichen
just und genau hier

 

Feldgehölz, Aquarell 2014

Ohne Bedeutung

Der Stärkste, schrieb Schiller,
der der Heimat Geflüchtete,
ist am stärksten allein.

Bis ins Grab. Blieb eigen
Ohne Bedeutung die Erde
die man auf ihn warf.
Sollt ihr doch suchen!

 

(Zyklus Heimat, 7/7)

Nach Süden

Das Gras hat ein Gesicht
und träumt mit offenen Augen

da sind
Gleise wie brüchiger Zwirn im Schnee
Schwellen und Schienen tasten den Bahnhof
hinab, ins Fremde, blausüd
.
Klamme Finger schenken
dem Traum eine Heimat

 

(Vom November 1983, für den Zyklus Heimat, 2/7 Februar 2018 überarbeitet)

Heimat sagt einer

Heimat Wort, wie Weihnachten
sensitiver Ballast
Heimatlos bin ich die Heimat los

Zwischenweltbürger
Zuhausschneckenhausschnecke
Omnia mea und Home und Castle

Sehnsucht ja
Fluchtursachenbekämpfung passee

 

(Zyklus Heimat, 1/7)

Im Sonnenwind

Ich wünsche mir, im heißen Sonnenwind
beschirmt von den Ringen des Saturn
einen Platz zwischen den Sternen

ein Fest, mit Kometenfackeln und Meteorlaternen
im Kreis der Monde und Planeten
und ihren sanften Tönen

Damenwahl! Du nimmst meine Hand
wir tanzen im Nordlicht um die Welt
bis ans Ende der Zeit

Es war einmal

Es war einmal
vielleicht auch zwei-, dreimal
wer weiß das schon genau

Wintertag, Schnee halb und halb
Wolken in der Sonne
Da ist´s gescheh´n

Du warst dabei, und du und du
habt es geseh´n
Bezeugt!

Es war einmal
Und keiner hebt den Blick
wer weiß das schon genau