Silberfischchen

Rattenfee:
Uiii … jetzt düsen die Silberfischchen schon bei Licht über´n Schreibtisch.

Banklsänger:
Poetenpack, lichtscheues!
genährt von Grind und Haut im Netz der Tastatur
lauernd im beständigen Strom aus Befindlichkeit
Detritus vom Menschsein, haschen bei Kaffee und Wein
tagseitiger Phrasen und Visionen

QWERTZ der Millionen als Baustoff:
Lyrik, Rattenfee, ist das Exoskelett weicher Lebenskerne!

Johann Seidl, Juni 2013

komm uns Totgesagten, schau

komm uns Totgesagten, schau
des Parks Rabatten, Wege

Den Schimmer letzter Astern lächelnder Gestade
Seinspunkte ferner, möglich, unscharf
relativ zum Betrachter
die menschliche Spur

aus Wort und Gedanken
Nebelkammern hochionisierter Fragen
Vergiss auch diese
komm, schau

(In Verneigung vor Georg Trakl)

Der Schwanz des Friseurs

Der Schwanz des Friseurs an meiner Schulter

Herrgott es ist ein Männersalon
Mit keins der jungen Dinger, Rasur nur intim.
Nasenhaare auch und Ohren, Nackenflaum!

ist mir Schulter, ein Anlehnen
für die einsamen Herzen mit den Scherenhänden

Johann Seidl 05/2013

Interferenzen

du verlässt mich, sagst du, demnächst,
In Kreisen als den geometrischen Ort aller
Liebe in dem ein gegebenes Glück
unter einem unversehrten Winkel erscheint

bizarre Logik der Formel Gluckstein

Die Möwen auch und die flachen Kiesel, wir
sind nur unbedacht und werfen glitzernde Interferenzen
von einem Augenblick zum anderen

Johann Seidl, 5/2013