am möbiusband

ich suche die sprache im programm, die basics im frontend,
auszeichnungstags für eine semantik am möbiusband

zwischen im atmen strömt es mich aus, fasern, strings, das meine welt
im innersten zusammenhält fliehen wie von selbst
ein band von einem herzen liegt in großen schmerzen
der wagen bricht

hypertexttransferprotocol //: bring mich nach hause

Johann Seidl 07/2013

#hexadezimal

Lüstern und zärtlich in Gedanken
und Händen an deiner Mitte entspringt
ein Strom an leiblichen Farben

Tiefgelb deine Brust, weich und #hexadezimal
dunkelwarmgrün der Schoß, großartig blau
– sinnliche Farbräume

ans Delta meiner Lust, die Liebe synästhetisch
Du kannst die Bilder nicht spüren, du schläfst
Ich kann uns da nicht heilen durch Handauflegen

Johann Seidl 05/2013

An den Rändern

Die schräge Geometrie der Schwerkraft
krümmt den Horizont meiner Sehnsucht
zurück ins Blau des Südens

und Ebbe und Flut, Raumzeit auf deinem Munde, rot
verloren, vergessen hoch unter den Klippen
Tripolium pannonicum, dunkelhelllila

Johann Seidl, 5/2013

Vom Augenblick beschirmt

Vom Augenblick beschirmt
zieht Welt um Welt aus dem Zylinder:
Schwerelose, Zeitlose.

pflückt sich die Worte aus der dünnen Luft
mit spitzem Finger, prüft
den Ruß der Feder

wirft Menetekel an die Wand.
Manchmal ist die Welt anders, manchmal
ist es offensichtlich, was man nicht sieht
Armer Poet!

Johann Seidl, Juni 2103

In Verneigung vor Carl Spitzweg

gerade jetzt, oder nur da, wo

gerade jetzt, oder nur da, wo oder sogar weil alles auseinander fällt:

Ein schräges Grün, Halm für Halm, so schräg wie der Weg von und nach Assisi sind – auch wenn es nicht so aussieht – Parallelen, die kreuzen sich im Unendlichen, just und genau hier.

rattenfee: Ich dachte die Nachtviole blüht nur nachts!?

banklsenger: Nachts spielt sie auf mit ihrem Duft, die Staubblätter geigen am Stempel, die Blüten schwingen sich Nektar trunken Richtung Mond. Die Musik der Moleküle treibt durch´s Dunkle dem Morgen zu und lockt die Rattenfeen und Mäusekönige aus den Hameln dieser Welt ins Dort, wo Tag und Nacht!

Silberfischchen

Rattenfee:
Uiii … jetzt düsen die Silberfischchen schon bei Licht über´n Schreibtisch.

Banklsänger:
Poetenpack, lichtscheues!
genährt von Grind und Haut im Netz der Tastatur
lauernd im beständigen Strom aus Befindlichkeit
Detritus vom Menschsein, haschen bei Kaffee und Wein
tagseitiger Phrasen und Visionen

QWERTZ der Millionen als Baustoff:
Lyrik, Rattenfee, ist das Exoskelett weicher Lebenskerne!

Johann Seidl, Juni 2013

komm uns Totgesagten, schau

komm uns Totgesagten, schau
des Parks Rabatten, Wege

Den Schimmer letzter Astern lächelnder Gestade
Seinspunkte ferner, möglich, unscharf
relativ zum Betrachter
die menschliche Spur

aus Wort und Gedanken
Nebelkammern hochionisierter Fragen
Vergiss auch diese
komm, schau

(In Verneigung vor Georg Trakl)